Dissertationsprojekte

Lotte Hahn: Erklärvideos im Kontext von Physikunterricht

Wie qualitativ hochwertig sind frei zugänglich angebotene Erklärvideos und wie stehen (angehende) Physiklehrkräfte zu diesem Medium? Im Promotionsprojekt wird diesen Fragen nachgegangen.

Einblicke in das Promotionsprojekt

Die Digitalisierungsprozesse im Bildungsbereich führen zu Erweiterungen von Lehr- und Lernkulturen. Ein Beispiel der Digitalisierung von Lehrinhalten sind Erklärvideos, deren Nutzung für schulische Zwecke in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg erlebte. 

Im ersten Schwerpunkt des Promotionsprojekts werden Physik-Erklärvideos verschiedener YouTube-Kanäle in Form einer fachlichen und fachdidaktischen Analyse systematisch analysiert. Der Fokus liegt neben inhaltlichen und gestalterischen Aspekten auch darauf, wie physikalische Inhalte angeboten werden und welches Bild von (Physik)Lernen diese Erklärvideos potenziell vermitteln. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine erhebliche Anzahl an Erklärvideos als fachlich und fachdidaktisch diskussionswürdig erscheint.

Abb. 1: Erklärvideo-Auswahlkriterien (blau), Analyseschwerpunkte (magenta)

Im zweiten Schwerpunkt des Promotionsprojekts werden Perspektiven und Einstellungen von (angehenden) Physiklehrkräfte bezüglich Physik-Erklärvideos erhoben und ausgewertet. Dazu werden mit Physiklehramtsstudierenden und praktizierenden Physiklehrkräften Leitfadeninterviews geführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse und prospektiv der dokumentarischen Methode ausgewertet. Ob sich Personen anhand ihrer Einstellungen und weiterer Merkmale typologisieren lassen, soll untersucht werden.

Abb. 2: Für das Forschungsprojekt vorerst festgelegte Einstellungsfacetten

Literatur

[1] Krey, O. & Rabe, T. (2021). Zu Risiken und Nebenwirkungen… oder Wo ist die Packungsbeilage? Erklärvideos zur Schulphysik. In Lehrvideos – das Bildungsmedium der Zukunft? Erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven, 156-167. Julius Klinkhardt.

[2] Kulgemeyer, C. (2018). A Framework of Effective Science Explanation Videos Informed by Criteria for Instructional Explanations. Research in Science Education, 50(6), 2441–2462.

[3] Mayer, R. (2001). Multimedia Learning. Cambridge University Press.

[4] Sweller, J. (1994). Cognitive load theory, learning difficulty, and instructional design. Learning and Instruction 4(4), 295–312.

Saskia Kunz: Sichtweisen von Grundschullehramtsstudierenden auf digitale Medien und Schule im Pre-Post-Vergleich

Welche Haltungen, Ideen und Vorstellungen dominieren die Sichtweise Grundschullehramtsstudierender auf digitale Medien im Kontext von Schule? Und inwieweit entwickeln sich diese Foki im Laufe von Lehrveranstaltungen?

Einblicke in das Promotionsprojekt

Schon ab der ersten Klasse ist digitale Bildung ein wichtiges Querschnittsthema in allen Unterrichtsfächern. Innerhalb von Lehrveranstaltungen werden angehende Grundschullehrkräfte mit verschiedenen, die Digitalisierung betreffenden Themen konfrontiert. Welchen persönlichen Fokus aber setzen die Studierenden im Themenfeld “digitale Medien im Grundschulunterricht”?

Das Promotionsprojekt untersucht in einem Pre-Post-Design handschriftliche Essays Grundschullehramtsstudierender und inspiziert, in welcher Weise sich die Priorisierung einzelner Elemente des o.g. Themenfeldes über den Zeitraum eines Semesters hinweg entwickelt. Mit der Erfassung spontan produzierter Studierendentexte wird die Idee verfolgt, besonders authentische und durch Eigenrelevanzsetzungen angereicherte Artefakte für die spätere Analyse zu gewinnen. Das Sample umfasst (meist wahlobligatorische) Lehrveranstaltungen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), die einen Digitalisierungsschwerpunkt aufweisen. Flankiert wird das Forschungsdesign durch leitfadengestützte Interviews mit den Dozierenden der an der Studie teilnehmenden Lehrveranstaltungen. Die Auswertung der Essays und der Interviewtranskritpe erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018). 

Pilotiert wurden die beiden entwickelten Messinstrumente (Assoziationsessays im Pre-Post-Design; Interviewleitfaden) im Sommersemester 2022 in fünf Lehrveranstaltungen der MLU. An der Hauptstudie nehmen insgesamt neun Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2022/2023 teil. 

Leon Lukjantschuk: Interpretationsprozesse im handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht mit digitalen Medien

Lernsettings, in denen Schüler*innen digitale Produkte gestalten, sind in aller Munde und werden mittlerweile sogar vonseiten der Kultusministerkonferenz (KMK 2021) gefordert. Aber wie lernen Schüler*innen in solchen Lernsettings? 

Einblicke in das Promotionsprojekt

In digitalen handlungs- und produktionsorientierten Lehr-Lernsettings werden Schüler*innen gestalterisch tätig, indem sie digitale Medienprodukte, wie z. B. Videos, Social-Media-Seiten oder Podcasts, zu literarischen Texten entwickeln. Ein solches Unterrichtsprojekt soll im Rahmen meines Promotionsvorhabens im Hinblick auf die darin stattfindenden literarischen Lernprozesse von Schüler*innen untersucht werden. Das Ziel des Vorhabens ist es dabei, individuelle Lernwege von Schüler*innen in einem solchen Unterricht nachzuvollziehen. Dafür soll die aus der Politikdidaktik stammende fachdidaktische Argumentationsanalyse (Petrik 2021) für die Beschreibung von Interpretationsprozessen bzw. literarischen Lernprozessen nutzbar gemacht werden. Hierbei handelt es sich um ein zentrales Desiderat der empirischen Literaturdidaktik. Um einen umfassenden Zugriff auf die literarischen Lernprozesse der Schüler*innen in den Unterrichtsreihen zu erlangen, wurden im Frühling und Sommer 2022 Lesefragebögen, Tests, Aufnahmen aus dem Unterricht und Interviews erhoben. Da es aufgrund des ungemeinen Aufwands, ganze Lernprozesse auszuwerten, nicht möglich sein wird, die Interpretationsprozesse aller Schüler*innen zu betrachten, werden diese maximal kontrastiv ausgewählt. Nach der Analyse mehrerer maximal kontrastiver Bildungsgänge soll eine Typenbildung mithilfe der fallkontrastierenden Analyse in drei Schritten nach Kelle und Kluge erfolgen (vgl. Kelle/ Kluge 2010, S. 78). Der Vergleich der maximal kontrastiven Fälle im Rahmen der Typenbildung müsste hierbei verallgemeinerbare Aussagen über Interpretationsprozesse innerhalb solcher digitalen handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtsprojekte ermöglichen. Der Bedarf an derartigen Forschungsprojekten könnte nicht größer sein, da kaum Arbeiten vorliegen, die diesen innovativen Ansatz erforschen. Dementsprechend hebt die Kultusministerkonferenz das Potenzial solcher Forschungsprojekte hervor (vgl. KMK 2021, S. 22). Auch auf gesamteuropäischer Ebene wird die Notwendigkeit für solche Forschungsprojekte gesehen (vgl. Vuorikari et al. 2019, S. 7). 

Literatur

Kelle, Udo/ Kluge, Susann: Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung. 2., überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010 (Qualitative Sozialforschung, Bd. 15). 

Kultusministerkonferenz (KMK): Lehren und Lernen in der digitalen Welt. Die ergänzende Empfehlung zur Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. Online verfügbar unter: https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2021/2021_12_09-Lehren-und-Lernen-Digi.pdf . 2021. (Datum der Recherche: 22.07.2022)

Petrik, Andreas: Toulmin dynamisch. Vom statischen Argumentationsschema zum Lernprozessmodell. In: Alexandra Budke/ Frank Schäbitz (Hrsg.): Argumentieren und Vergleichen. Beiträge aus der Perspektive verschiedener Fachdidaktiken. Berlin: LIT Verlag 2021, S. 13-32. 

Vuorikari, Riina/ Ferrari, Anusca/ Punie, Yves: Makerspaces for Education and Training. Exploring future implications for Europe. JRC Policy Report für die Europäische Kommission 2019. https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/bitstream/JRC117481/makerspaces_2034_education.pdf